Beeindruckender Erlebnisbericht vom Haiti-Einsatz

In einem Vortrag über ihren ehrenamtlichen THW-Einsatz in Haiti erinnerte Gudrun Seifert aus der Gemeinde Plauen an die verheerende Erdbebenkatastrophe vor einem Jahr.

Die Bilder des verheerenden Erdbebens der Stärke 7,0 auf der Richterskala, das den Inselstaat Haiti am 12. Januar 2010 erschüttert hatte, sind einige Wochen weltweit durch die Medien gegangen. Heute – reichlich ein Jahr danach – ist diese Katastrophe durch andere Meldungen weitestgehend in den Hintergrund gedrängt worden oder vielfach schon in Vergessenheit geraten.

Nicht bei unserer Glaubensschwester Gudrun Seifert aus der Kirchengemeinde Plauen! Sie war als ehrenamtliche Mitarbeiterin des Technischen Hilfswerkes (THW) vier Wochen im Haitischen Katastrophengebiet tätig. (siehe Bericht vom 07.02.2010)

Dass die Eindrücke tief in ihrem Inneren verankert sind, spürten die Zuhörer, die sich am 27. Februar 2011 im Zeulenrodaer Gemeindezentrum eingefunden hatten, um ihren Schilderungen zu lauschen. Im Anschluss an eine Probe des Kammerchores Gera/Plauen, in dem sie seit vielen Jahren singt, erinnerte sie an eines der schlimmsten Erdbeben seit Jahrzehnten und dessen gravierende Folgen.

Haiti ist das einzige Land Amerikas, das von den Vereinten Nationen zu den Least Developed Countries (LDC, deutsch: am wenigsten entwickelte Länder) gezählt wird. Diese Länder werden oft auch als „Vierte Welt“ bezeichnet. Die Bevölkerung Haitis musste viele Jahrzehnte unter diktatorischen Regimen leiden und lebt größtenteils in bitterer Armut.

So wie anderen zahlreichen Helfern aus vielen Ländern der Erde bot sich Gudrun Seifert bei ihrer Ankunft im Katastrophengebiet ein Bild des Grauens: In der Hauptstadt Port-au-Prince waren nicht nur die Wohnhäuser zerstört. Auch prächtige Bauten wie der Präsidentenpalast, der Justizpalast, die katholische Kathedrale, die anglikanische Holy Trinity Cathedral u. a. waren durch die Stärke des Erdbebens in sich zusammengestürzt. Offiziellen Angaben zufolge kamen etwa 316.000 Menschen im Land ums Leben, weitere 1,8 Millionen wurden obdachlos. (Hinweis: 90% der Gebäude in Léogâne waren zerstört)

Die Aufgabe der promovierten Chemikerin Gudrun Seifert und ihres Team bestand darin, die Bevölkerung mit sauberem Trinkwasser zu versorgen. Das „Rohwasser“ wurde gründlich analysiert und in großen Wassertanks gesammelt. Danach stellte das THW-Team daraus sauberes Trinkwasser her, dessen Qualität man regelmäßig kontrollierte. Dieses aufbereitete Wasser wurde in sogenannte Wasserblasen abgefüllt und kostenlos an die Haitianer ausgegeben.

Des Weiteren beschrieb Gudrun Seifert in ihrem Vortrag die katastrophale hygienische Situation des Landes: Direkt neben Brunnen, Bächen und Flüssen, aus denen sich die Menschen ihr Trinkwasser holen, türmen sich Abfall- und Schuttberge. Das birgt die große Gefahr der rasanten Ausbreitung von Seuchen und Krankheiten.

Während seines Einsatzes lebte das Team selbst in äußerst bescheidenen Verhältnissen in einem Zeltlager. In diesen vier Wochen hatte Gudrun Seifert zahlreiche beeindruckende Begegnungen mit den Einheimischen, die trotz unsagbarer Not, oft ein Lächeln auf ihren Lippen hatten und dankbar für jede Handreichung waren. Natürlich gab es auch brenzlige Situationen, denn die Menschen kämpf(t)en um ihr Überleben.

Als große Unterstützung während dieser Zeit empfand Gudrun die spürbare Fürbitte der Glaubensgeschwister in ihrer Heimat und von lieben Freunden in den USA. Selbst der für Haiti zuständige Bezirksapostel Leonard Kolb (USA), der Kenntnis von ihrem Hilfseinsatz erhalten hatte, betete für Gudrun, als er unmittelbar an ihrem Zeltlager vorbeifuhr. Am Staatstrauertag – kurz nach dem Erdbeben – war er nämlich nach Haiti gereist, um den Glaubensgeschwistern hier nahe zu sein und um der Erdbebenopfer zu gedenken.

Zum Abschluss ihres Vortrages erzählte uns Gudrun von einem Kolibri-Pärchen, dass sein Nest in einem Baum – nicht weit vom THW-Zeltlager gebaut hatte. Während ihres vierwöchigen Haiti-Aufenthaltes konnte sie beobachten, wie das Pärchen die Eier bebrütete und die Küken schlüpften. …ein Zeichen des neu erwachenden Lebens in diesem von Tod und Zerstörung gezeichneten Land.

Das Zusammensein am 27. Februar 2011 beendete Evangelist Jürgen Gerisch mit einem Gebet, in dem er der Menschen gedachte, die in Haiti und in vielen anderen Ländern durch Hunger und Katastrophen ihr Leben verloren haben. Mögen vielen dieser Seelen während der Gottesdienste für Entschlafene die Gnade Gottes zuteil geworden sein!

Text: A.K., Fotos: A.K., G.S.